Pestizide
Von einigen Institutionen gerät Tee und insbesondere
der Grüne in den schlechten Ruf schadstoffbelastet und damit ungesund
zu sein.
Insbesondere Verbraucherverbände und Warentests
interpretieren immer wieder in einer nicht korrekten Weise die
Ergebnisse der Untersuchungen. Die Schadstoffe werden verursacht durch
den Einsatz von Pestiziden
Was sind überhaupt Pestizide?
Generell bezeichnet man alle Pflanzenschutzmittel, die auf künstlichem Weg erzeugt werden, als Pestizide!
Man kann diese Pflanzenschutzmittel in drei Gruppen einteilen:
Herbizide: Zur Unkrautbekämpfung
Insektizide: Zur Schädlingsbekämpfung
Fungizide: Zur Bekämpfung von Pilzbefall und Blattkrankheiten
Im Zusammenhang mit Tee sind praktisch immer nur die Insektizide gemeint!
Eigentlich müssten alle drei Gruppen inklusive der Schwermetalle
untersucht werden. Pestizide werden heute weltweit in der gesamten
Landwirtschaft angewandt. Die chemische Industrie stellt einige hundert
verschiedene Pestizide her. Viele dieser Stoffe sind bereits in vielen
Ländern verboten. Allerdings verbleiben viele dieser Stoffe über einen
langen Zeitraum im Boden, sind also persistent und wirken sich somit
auch nach Jahren noch auf die Pflanzen aus. Sicherlich würde in vielen
sogenannten Dritte Welt Ländern auch weiterhin mit fragwürdigen oder
sogar giftigen Pestiziden gearbeitet werden, wenn nicht die
Abnehmerländer dementsprechend Druck ausüben würden.
Untersuchungen, Tests und Verordnungen
Aufgrund der verfeinerten Analyse-Methoden ist es heute möglich, selbst
kleinste Mengen an Pestizidrückständen in den untersuchten Stoffen
nachzuweisen. Der Tee wird auf eine bestimmte Anzahl von möglichen
Pestiziden hin untersucht. Dabei gilt eine für diese Pestizide nach
EU-und Landesvorschrift festgesetzte Höchstmenge bzw. Grenzwertmenge.
Diese Rückstandshöchstmengen-Verordnung ( RHmV ) ist auf jeden Fall
verbindlich.
Die Mengen von eventuell vorhandenen Pestiziden werden
nur dann in Werten angegeben, wenn eine vorher bestimmte Menge
überschritten ist. Andernfalls werden die Mengen mit “geringer als“
oder “ n.n.( nicht nachweißbar) “ gekennzeichnet.
Solche Analysen sind auch immer wieder Anlaß für Falschinterpretationen.
Insbesondere werden solche Analysen gern von Journalisten publiziert
und interpretiert. Meist sind es dann nicht Fachleute, sondern
Journalisten, die sich anmaßen, mit eigenen willkürlichen Maßstäben die
Tees zu beurteilen und zu bewerten. Vor allem das Setzten von
subjektiven Bewertungsmaßstäben, wie z.B. leicht belastet oder
bedenklich ist hierbei sehr irreführend. Spuren von Pestiziden und
Schwermetallen sind heute leider überall, d.h. in jedem Lebensmittel.
Deshalb ist eine Bezeichnung “ pestizidfrei “ irreführend und falsch.
Durch die extrem feinen Meß- und Nachweißmethoden können selbst
Kleinstrückstände noch erfasst werden
Bei der Bewertung der
analytischen Werte in den Rückstandsanalysen sind noch einige Details
zu berücksichtigen: Zum einen schwanken die Ergebnisse der
Rückstandsanalysen relativ stark, aufgrund
– der sehr geringen Mengen, die zu identifizieren und quantifizieren sind,
– der Art des Untersuchungsmaterials, welches oft sehr inhomogen ist und
– der unterschiedlichen Qualitätsstandards der untersuchenden Labore. Laut Auskunft eines
Handelslabor sind Schwankungen in den ermittelten Werten bis zu 60% (+/-) durchaus möglich!!
Deshalb wird in der Bewertung seitens der
Lebensmittel-Untersuchungsämter ein Streubereich von +/- 50% zugrunde
gelegt. Das bedeutet, dass nur dann eine Überschreitung der Höchstmenge
vorliegt, wenn der gesamte Streubereich der ermittelten
Analyseergebnisse über der Höchstmenge liegt und diese auch nicht
berührt.
Außerdem ist zu
berücksichtigen, dass nur ca. durchschnittlich 2 –15 % der eventuell im
Teeblatt, also der Trockenmasse vorhandenen Rückstände gelöst werden
und in den Aufguss übergehen. Der Großteil der Rückstände verbleibt
ungelöst im Blatt. Somit ist eine Pestizidbelastung bei Tee anders zu
bewerten, als bei Lebensmittel, die komplett verzehrt werden.
Unglücklicherweise
und vor allem paradoxerweise gelten für einige Lebensmittel, die ja nun
im Ganzen verzehrt werden, höhere zulässige Werte, als für Tee.
So
darf zum Beispiel laut RHvM bis zu max. 2,0 mg / kg Lindan im Kopfsalat
vorhanden sein. Bei Tee ist die zulässige Höchstmenge auf 0,2 mg / kg
Trockenmasse festgelegt. Wenn man nun noch bedenkt, dass nur ca. 2 –15
% Rückstände aus dem Teeblatt gelöst werden, so ist es beinah
überflüssig, das überhaupt zu erwähnen.
In bedeutenden Tee-Erzeugerländern, die auch
gleichzeitig einen hohen Pro-Kopf-Konsum von Tee haben ( wie z.B. Japan
) werden ebenfalls sehr strenge Normen an die Sauberkeit und Reinheit
des Produktes gestellt. Allerdings ist dort für die objektive
Beurteilung der Analyse stets das Eluat, also der Aufguß,
Untersuchungsobjekt, was viel eher der Realität entspricht.
Eine kurze Beschreibung von Rückständen beim Tee
Chlororganische Pestizide
Wirken akut hochgiftig und führen selbst in kleineren Dosierungen zu
Langzeitschäden und Krebs. Das wichtigste im Teeanbau eingesetzte
chlororganische Pestizid ist DDT. Kleinstmengen dieses Giftes setzen
sich im Fettgewebe ab und wirken so über Jahre. Der Einsatz dieser
Pestizide ist daher äußerst problematisch und wird von vielen
Erzeugerländern nun schon seit Jahren verboten. Daher ist ihre Relevanz
hinsichtlich aktueller Rückstandsanalysen beim Tee nur noch dahingehend
von Bedeutung, inwieweit die Böden noch mit den persistenten Spuren
dieser Pestizide belastet sind.
Einige bekanntere
Organochlorpestizide, deren Namen man vielleicht schon mal gehört hat,
sind z.B.: DDT, Endosulfansulfat, Endrin, Hexachlorbenzol, Isodrin,
Triallat
Zyanhaltige Pestizide
Eine Gruppe häufig
auftretender Pestizide, die aufgrund ihrer hochtoxischen Wirkung auf
den menschlichen Organismus immer mehr in Verruf gekommen sind. Diese
Pestizide spielen beim Teeanbau seit Jahren pracktisch keine Rolle mehr.
Phosphororganische Pestizide
Hierbei handelt es sich um eine Gruppe hochgiftiger, aber biologisch
abbaubarer Substanzen, wie zum Beispiel Ethion. Diese Pestizide bauen
sich schnell im Boden ab und sind daher nur von zeitlich kurzer
Relevanz.
z.B.: Carbophenothion, Chlorthion, Diazion, Ethion, Phosalon
Schwermetalle
Vor allem Kupferverbindungen sorgten im Zusammenhang mit
Rückstandskontrollen beim Tee für Aufsehen. Kupfersalze sind durchweg
hochgiftig und sind auch für Langzeitschädigungen der Leber
verantwortlich. Im allgemeinen sind jedoch Schwermetallverbindungen im
Eluat des Tees nur hochverdünnt noch nachweisbar.
Das heißt, ihr Einfluß auf den menschlichen Organismus ist de facto nicht vorhanden
KbA – kontrolliert biologischer Anbau, Öko – Tee, Bio – Tee
Die
Etikettierung kbA bezieht sich nur auf die Anbaumethoden, die
kontrolliert werden, nicht jedoch auf etwaige Rückstände beim Produkt.
Das heißt, das selbst Produkte, die mit “ kbA “ ausgewiesen sind,
Rückstände von Pestiziden und Schwermetallen aufweisen können.
Was heißt kontrolliert biologischer Anbau?
Kontrolliert
biologischer Anbau von natürlichen Pflanzengemeinschaften, die
Förderung von Nützlingen und biologischen Pflanzenschutzmitteln.
Synthetische Spritz- und Düngemittel sind im kbA verboten.
Die Umstellung von konventionellem Anbau auf ökologische Landwirtschaft erfolgt in drei Jahren.
Nach der sogenannten Erstinspektion, bei der alle Flächen einer
gründlichen Untersuchung auf Bodenbeschaffenheit, Pflanzenbestände,
Erträge usw. unterzogen werden, beginnt das sogenannte
“ Nulljahr
“. Während dieses ersten Jahres dürfen beim Verkauf keinerlei Aussagen
über den biologischen Anbau gemacht werden, obwohl schon alle Regeln
der Bio-Landwirtschaft befolgt werden müssen. Eine schwierige Phase für
den Teebauer, da noch nicht die Preise für Bio – Ware erzielt werden
können, aber alle Zusatzkosten schon anfallen.
Die Phase der “Herstellung im Rahmen der Umstellung auf den kontrolliert biologischen Landbau“
dauert von Beginn des zweiten Jahres nach Umstellung bis zum Ende des
dritten Jahres. In dieser Zeit darf die Ware schon den Hinweis, Hergestellt im Rahmen der Umstellung auf den kontrolliert biologischen Landbau tragen.
Nach erfolgreichem Abschluss der dreijährigen Umstellzeit dürfen die Produkte nun die begehrte Auszeichnung Aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) tragen.
Zweifellos ist die chemische Industrie weltweit natürlich daran interessiert, der Landwirtschaft Pflanzenschutzmittel zu verkaufen. Andererseits sind die Bestrebungen solche Mittel zu
ersetzen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Neue Tendenzen im
konventionellen Anbau sind z.B. der Einsatz einer neuen Generation von
Pflanzenschutzmitteln, wie z.B. den Fenfaleraten. Diese gehören zu den
sogenannten Pyrethroiden, das sind Wirkstoffe, die aus Abkömmlingen
einer afrikanischen, insektenfressenden Pflanze gewonnen werden. Diese
Stoffe sind biologisch abbaubar und verträglich gegenüber größeren
Organismen, wie z.B. auch Menschen. In immer mehr Teegärten und
Teeplantagen werden im großen Stil Methoden eingesetzt, die ein rein
biologisches Produzieren ermöglichen. So werden gegen Unkraut Stroh-
und Bastmatten ausgelegt. Insektizide werden durch den Einsatz
natürlicher Insektenvertilger, wie z.B. Frösche oder Eidechsen ersetzt.